Sexualtherapie für Paare
Sexualität dient nicht ausschließlich der Fortpflanzung oder dem Lustgewinn, sondern vor allem der Befriedigung des menschlichen psychosozialen Grundbedürfnisses nach Nähe, Akzeptanz und Geborgenheit. Durch erotische Erregung, körperliche Intimität und sexuelle Lust kann dieses Grundbedürfnis gegenseitig erfüllt werden und auf diese Weise die Bindung zweier Menschen verstärkt und gefestigt werden. Kommt es bei einem Paar zu sexuellen Funktionsstörungen, sind in der Regel beide Partner verunsichert. Körperliche Kontakte werden zunehmend gemieden. Man versucht, dem Problem aus dem Weg zu gehen, da es häufig schwer fällt, darüber zu sprechen. Andererseits wirken sich Spannungen und Konflikte zwischen den Partnern häufig negativ auf das Sexualleben aus. Sowohl die Quelle gemeinsamer Lust und der Erfüllung des Grundbedürfnisses nach Geborgenheit, Nähe und Zärtlichkeit versiegt allmählich. Deshalb steht bei der Sexualtherapie das Paar und die Verbesserung der partnerschaftlichen Beziehungsqualität im Mittelpunkt der Behandlung und nicht nur die Funktionsstörung eines Partners. Der Einsatz von Medikamenten kann hierbei eine unterstützende Funktion haben.
Behandlungsziele
- Angstfreier Umgang mit der Sexualität.
- Erleben sexueller Körperkontakte ohne Angst oder Verunsicherung.
- Erhöhung der sexuellen und partnerschaftlichen Beziehungszufriedenheit.
- Steigerung der gesundheitlichen und allgemeinen Lebensqualität.
Das Behandlungskonzept
- Beruht auf der bio-psycho-sozialen Sichtweise menschlicher Sexualität.
- Geht von den drei elementaren Dimensionen von Sexualität nämlich Bindung, Lust, Fortpflanzung aus.
- Ist durch die prinzipielle Beteiligung beider Partner gekennzeichnet.
- Ist eine fokussierende Kurzzeitbehandlung.
Für folgende sexuelle Funktionsstörungen ist die Behandlung geeignet:
- Sexuelle Erregungsstörungen (Erektionsstörungen, ausbleibende Scheidenfeuchtigkeit).
- Genitale Schmerzen beim Versuch Geschlechtsverkehr auszuüben.
- Früher, verzögerter oder ausbleibender Orgasmus.
Weitere Indikationen
- Häufige und ständig wiederkehrende Konflikte trotz des gemeinsamen Wunsches nach Partnerschaft.
- Vertrauenskrisen und Enttäuschungen nach sexuellen Parallelbeziehungen.
- Unerfüllter Kinderwunsch ohne eindeutig organische Ursachen.
- Sexuelle Beziehungsstörungen im Verlauf einer Kinderwunschbehandlung.
Behandlungsverlauf
Nach einer ausführlichen Sexualanamnese einschließlich einer Testdiagnostik und einer gemeinsamen Befundbesprechung erarbeitet sich das Paar gemeinsam mit dem Therapeuten in wöchentlichen (maximal 14-tägigen) Sitzungen Behandlungsschritte. Diese werden an mindestens zwei Terminen (ca. 1,5 Stunden) in der Woche ausprobiert. Die dabei gemachten gemeinsamen Erfahrungen werden in der nächsten Therapiesitzung besprochen und weitere Schritte vereinbart.
Voraussetzungen
- Beide Partner müssen zu einer Sexualtherapie motiviert sein.
- Die Partner müssen sich mindestens 3-4 Stunde pro Woche Zeit für die Therapie nehmen.
- Zeitliche und finanzielle Aufwendungen müssen von beiden Partnern mitgetragen werden.
Ein weit verbreiteter Irrtum
Die häufigste sexuelle Funktionsstörung, vor allem des älteren Mannes, ist die mangelnde Gliedsteife. Sie ist aber auch die häufigste Ursache, warum ältere Frauen keinen Geschlechtsverkehr mehr mit ihrem Partner ausüben können. Deshalb sind von einer Erektionsstörung nicht nur der jeweilige Mann sondern beide Partner betroffen. Viele Männer suchen in dieser Situation eine „schnelle Lösung" und hoffen, mit Hilfe der neuen Medikamente ihren Penis ähnlich wie ihr Auto reparieren lassen zu können. Die tägliche Erfahrung zeigt jedoch, dass dies nur in wenigen Fällen automatisch zur Wiederherstellung eines wirklich zufriedenstellenden Sexuallebens führt. Dies dürfte auch der Grund sein, warum - amerikanischen Untersuchungen zufolge - nur jeder vierte Patient um ein Folgerezept nachsucht. Um unnötige Frustrationen zu vermeiden, die die Partnerschaft belasten, ist deshalb bei der Behandlung immer eine Einbeziehung beider Partner erforderlich.
Denn: Nicht der Penis sondern das Paar ist der Patient!
Behandlungskosten
Die Behandlung von sexuellen und/oder partnerschaftlichen Störungen ist kein Bestandteil des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Es handelt sich eine so genannte Selbstzahlerleistung, die von den Paaren getragen werden muss. Die Berechnung erfolgt in Anlehnung an die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Für eine Paarbehandlung sind in der Regel 10 - 25 Sitzungen erforderlich.
